Mit einem massiven Polizeieinsatz gehen die Behörden in Nordrhein-Westfalen gegen die Rockergruppierung Hells Angels vor. Mehr als 1200 Einsatzkräfte, darunter auch Spezialeinheiten, griffen am Dienstagmorgen, 28. April, zu. Im Kreis Borken konzentrierten sich die Maßnahmen auf Ahaus. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei Düsseldorf auf BBV-Anfrage. Im Kreis Wesel liefen Durchsuchungen in Voerde, Dinslaken und Wesel selbst.
„Kriminelle Vereinigung“
Zeitgleich durchsuchen Beamte 58 Objekte in zahlreichen Städten, darunter auch Köln, Leverkusen, Dortmund, Oberhausen und Duisburg. Im Fokus standen Vereinsheime, Wohnungen sowie Geschäftsräume von Mitgliedern und mutmaßlichen Unterstützern. Die Polizei Düsseldorf als federführendes Präsidium spricht von „Vollstreckungsmaßnahmen“ im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens der Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten in Nordrhein-Westfalen (ZeOS NRW). Es gehe um den „Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung“ und der „räuberischen Erpressung“.
Ziel der Maßnahmen sei die Sicherung von Beweismitteln, hieß es. Zudem seien Sach- und Vermögenswerte „im hohen sechsstelligen Bereich“ eingezogen worden. In einem Fall klickten die Handschellen. „Es wurde in Langenfeld ein Beschuldigter im Alter von 46 Jahren festgenommen“, berichtet die Polizei. Gegen ihn bestand den Angaben zufolge ein Haftbefehl.
Was sichergestellt wurde
Bis 15 Uhr haben die Einsatzkräfte zahlreiche Gegenstände sichergestellt oder beschlagnahmt, darunter zehn Motorräder – überwiegend Harley-Davidson-Maschinen – sowie drei Autos, 20 Kutten und weitere Devotionalien. Außerdem wurden sieben hochwertige Uhren, neun Schusswaffen – darunter zwei Pistolen und sieben Schreckschusswaffen – sowie 26 Hieb- und Stichwaffen wie Schlagringe, Schlagstöcke und Macheten gefunden. Hinzu kommen 114 Einheiten Betäubungsmittel und andere Substanzen, darunter Kokain, Haschisch, Marihuana, Testosteron, Lachgas und Medikamente, sowie eine Bargeldsumme im niedrigen sechsstelligen Bereich.
Innenminister: „Null Toleranz“
Innenminister Herbert Reul teilte am Vormittag mit: „Wer mit Waffen, Drogen, Gewalt und Einschüchterung sein Geld verdient, muss jederzeit damit rechnen, dass die Polizei morgens im Schlafzimmer steht. Nicht als Gast, sondern mit Durchsuchungsbeschluss. Heute senden wir eine unmissverständliche Botschaft: maximaler Fahndungsdruck, null Toleranz und kein Quadratmeter Rückzugsraum für kriminelle Rocker in Nordrhein-Westfalen.“
Der Zugriff begann am frühen Morgen. Spezialeinsatzkräfte verschafften sich teils gewaltsam Zutritt zu den Gebäuden. Nach Angaben des Innenministeriums handelt es sich um einen der größten Einsätze gegen Rockerkriminalität in der Geschichte des Landes. Parallel wurde der „Hells Angels Motorcycle Club Leverkusen“ verboten und aufgelöst.
Das Verbot stütze sich auf Artikel 9, Absatz 2 des Grundgesetzes in Verbindung mit dem Vereinsgesetz, so das Innenministerium. Der Charter sei erst im Mai 2024 als sogenanntes „Prospect Charter“ gegründet und im Juni 2025 zur vollwertigen Ortsgruppe ernannt worden. „Mitglieder sind vielfach durch Straftaten in Erscheinung getreten – darunter unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln, Bedrohung, Nötigung, Körperverletzung und räuberische Erpressung“, heißt es weiter.
Das Vereinsvermögen werde im Zuge der Razzia beschlagnahmt und zugunsten des Landes Nordrhein-Westfalen eingezogen, so das Innenministerium. Die Bildung von Ersatzorganisationen sowie die Verwendung von Vereinskennzeichen seien „ausdrücklich verboten“.