Zwischen Bohrmaschine und Burnout Die komplizierte Beziehung zu Handwerkern

Ein Handwerker befestigt die Abdeckung an einer Steuereinheit einer Wärmepumpe im Keller einer Doppelhaushälfte.
Ohne Handwerker geht kaum etwas in unseren Wohnungen. TRotzdem ist unsere Beziehung zu ihnen kompliziert. © picture alliance/dpa
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Es gibt im Leben unvermeidliche Begegnungen, die trotzdem viel Pein in sich bergen. Die mit dem Finanzamt gehört dazu, die mit dem Zahnarzt – und die mit dem Handwerker. Wer wohnt, wird früher oder später mit ihm konfrontiert, es sei denn, er gehört zu jener seltenen Spezies des begnadeten Heimwerkers, die mit Akkuschrauber und Wasserwaage so selbstverständlich umgehen wie andere mit Messer und Gabel. Für alle anderen gilt: Irgendwann tropft es, klemmt es oder fällt schlichtweg ab. Und dann beginnt sie, diese ganz besondere Beziehung.

Sie ist geprägt von Hoffnung, Skepsis und einer erstaunlichen Anzahl an Anekdoten. Kaum jemand kennt keinen, der jemanden kennt, bei dem „der Handwerker“ entweder ein Genie oder ein Desaster war – selten etwas dazwischen. Es ist ein bisschen wie mit Wettervorhersagen: Man verlässt sich darauf, obwohl man weiß, dass es auch ganz anders kommen kann.

Am Start steht die Terminfrage

Am Anfang steht die Kontaktaufnahme. Ein Anruf, eine E-Mail, ein vorsichtig formuliertes Anliegen. Schon hier zeigt sich die erste Dynamik: Wer meldet sich zurück? Wann? Und vor allem: überhaupt? Der Handwerker ist in dieser Phase eine fast mythische Figur – irgendwo da draußen, schwer erreichbar, vermutlich schwer beschäftigt, vielleicht aber auch einfach in einer Parallelwelt, in der Telefone eine rein dekorative Funktion haben.

Hat man es geschafft, einen Termin zu vereinbaren, folgt die nächste Stufe der Beziehung: das Warten. Der Termin ist selten ein Zeitpunkt, eher ein Zeitfenster mit philosophischem Charakter. „Zwischen acht und zwölf vermutlich“ kann vieles bedeuten. Es ist ein Angebot an die Geduld, ein Test für die eigene Tagesplanung. Man bleibt zu Hause, hört auf jedes Geräusch im Treppenhaus und entwickelt ein feines Gespür für Schritte, die eventuell zielgerichtet wirken.

Dankbarkeit oder Frust

Und dann steht er plötzlich da. Oder sie natürlich. Werkzeugkoffer in der Hand, Blick prüfend, Auftreten souverän. Der Handwerker betritt den Raum wie ein Arzt das Krankenzimmer – mit einer Mischung aus Autorität und der stillen Gewissheit, dass hier gleich Dinge gesagt werden, die man nicht ganz verstehen wird. Fachbegriffe fallen, Probleme werden analysiert, und irgendwo zwischen „Muffe“ und „Leitung“ wird klar: Das wird aufwendiger als gehofft.

An diesem Punkt kippt die Beziehung entweder in Richtung Bewunderung oder in Richtung Frust. Denn Handwerker können Dinge, die für Außenstehende fast magisch wirken. Sie drehen an unscheinbaren Schrauben, klopfen an Wände, hören Geräusche, die anderen verborgen bleiben – und plötzlich funktioniert etwas wieder. Wasser fließt, Strom kehrt zurück, Türen schließen sich wie vorgesehen. Oder nichts passiert und der Handwerker vertröstet uns auf einen neuen Termin, denn das Problem ist offenbar umfassender.

Ob es ein Dankbarkeits-Moment wird oder ein Frust-Erlebnis, am Ende wird die Rechnung stehen. Und die vereint uns Auftraggeber fast immer im nächsten Frust.

Und dann kommt die Rechnung

Denn auch das gehört zur Realität: die Kosten. Sie sind quasi nie überraschend niedrig, dafür oftmals nur schwer nachvollziehbar. Minuten scheinen sich in Stunden verwandelt zu haben, Materialkosten erscheinen wie aus einer exklusiven Boutique für Designer-Schrauben. Man nickt, zahlt – und beginnt im Kopf bereits mit der ersten Anekdote, die man beim nächsten Treffen erzählen wird.

Und doch wissen wir alle: Ohne Handwerker geht es nicht. Sie sind die unsichtbare Infrastruktur des Alltags, die dafür sorgt, dass Wohnen mehr ist als ein provisorischer Zustand. Sie reparieren nicht nur Dinge, sie halten das fragile Gleichgewicht zwischen Komfort und Chaos aufrecht.

Eine Hassliebe eben

Vielleicht ist genau das der Kern dieser seltsamen Beziehung: Man ist ihnen ausgeliefert und gleichzeitig vollständig auf sie angewiesen. Man ärgert sich über Wartezeiten, über Rechnungen, über Kommunikationslücken – und ist im nächsten Moment erleichtert, dass es sie gibt und sie überhaupt Zeit für uns finden.

Eine Hassliebe eben. Mit Bohrmaschine, Werkzeugkoffer und der leisen Hoffnung, dass beim nächsten Mal alles ganz reibungslos läuft. Was es natürlich nicht wird. Und genau deshalb wird es auch weiterhin mehr Geschichten über Handwerker geben, als irgendjemand je zählen könnte.

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Zur kolumne

In den „Wohn(t)räumen“ befasst sich Thomas Schroeter regelmäßig auf sehr persönliche Art mit dem Wohnen. Da kann es um neue Trends gehen, um Wohnphilosophien, um Bauärger oder Küchendeko. Einfach um alles, was das Wohnen im Alltag ausmacht.

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