Smarte Beleuchtung Genial, wenn da nicht die Farbwechsel wären

Eine Frau steuert mit dem iPad eine Küche und steuert damit die Beleuchtung.
Smarte Beleuchtung lässt sich per App oder sogar per Stimme steuern. Das ist gut, wenn es da nicht ein großes Farbproblem gäbe. © picture alliance/dpa
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Früher war eine Lampe eine Lampe. Sie hing an der Decke, stand in der Ecke oder kippelte leicht auf dem Nachttisch, wenn man nachts nach dem Wasserglas tastete. Man drückte auf einen Schalter – und siehe da: Licht. Es war ein nüchternes, zuverlässiges Verhältnis. Kein Smalltalk, keine App, keine Firmware-Aktualisierung. Dann kam die smarte Lampe.

Anfangs war sie ein Statussymbol für Technikbegeisterte, die ihre Wochenenden damit verbrachten, Sprachassistenten Namen zu geben und dem Router gut zuzureden. Zentral gesteuerte Beleuchtung? Das klang nach Silicon Valley oder nach einem Penthouse, in dem die Vorhänge auf Knopfdruck ehrfürchtig zur Seite glitten.

Steuerung vom Sofa

Heute genügt ein Gang in den Baumarkt. Zwischen Schraubenziehern und Zimmerpflanzen liegen sie in Reih und Glied: LED-Leuchten, die mehr Rechenleistung besitzen als der Bordcomputer der Mondlandefähre. Modelle von Philips oder Ikea versprechen nichts weniger als die totale Erleuchtung – steuerbar per App, Sprachbefehl oder, für Nostalgiker, per Schalter. Sie hören auf Namen wie „Ambiente“, „Szene“ oder „Relax“ und reagieren sensibler auf Befehle als mancher Teenager.

Man muss zugeben: Es hat etwas Magisches. Man sitzt auf dem Sofa, murmelt „Licht an“ – und die Wohnung gehorcht. Kein Aufstehen mehr, kein Tasten im Dunkeln. Die Räume illuminieren sich wie von Geisterhand. Es ist der kleine Triumph des Menschen über die Trägheit des Alltags. Der Traum vom smarten Zuhause ist Wirklichkeit geworden, und er kostet weniger als ein Wochenende in einem mittelmäßigen Wellnesshotel.

Türkises Grauen

Das alles wäre völlig in Ordnung. Wirklich. Wenn die Sache mit der Farbigkeit nicht wäre. Denn natürlich können diese Leuchten nicht nur warmweiß oder kaltweiß. Sie können alles. Sonnenuntergang in Santorin? Kein Problem. Tiefseeblau? Aber sicher. Ein Hauch von Polarlichtern über dem Couchtisch? Warum nicht. Die Farbpalette reicht von „Kerzenschein“ bis „Diskothek um drei Uhr morgens“. Und hier liegt das Problem.

Das Sofa wird in violettes Dämmerlicht getaucht, während die Zimmerpflanze in giftigem Grün erstrahlt, als plane sie die Weltherrschaft. Die Küche leuchtet türkis, das Schlafzimmer pulsiert in romantischem Pink. Die smarte Lampe ist damit zum Spielball des schlechten Geschmacks geworden. Sie bietet Möglichkeiten, von denen wir nie wussten, dass wir sie nicht brauchen. Und natürlich nutzen die Menschen sie.

Mann muss nicht alles machen

Weil sie es können. Weil es Spaß macht. Weil die App uns verführt mit Begriffen wie „Party“, „Sunset Vibes“ oder „Tropennacht“. Dabei gibt es ein uraltes Menschheits-Gesetz: Nur weil etwas geht, heißt das nicht, dass man es machen muss. Und erst recht nicht, dass es gut ist.

Besonders heikel wird es, wenn mehrere Haushaltsmitglieder Zugriff auf die Steuerung haben. Plötzlich konkurrieren Geschmäcker in Echtzeit. Während die eine Hälfte „gemütliches Bernstein“ auswählt, kontert die andere mit „energetischem Magenta“. Das Wohnzimmer wird zum diplomatischen Krisengebiet.

Geschmackliche Grenzen

Und so liegt in dieser Entwicklung auch eine gewisse Tragik. Die smarte Lampe wollte uns das Leben erleichtern. Sie wollte effizient sein, nachhaltig, flexibel. Stattdessen ist sie zur Bühne unserer inneren Licht-Exzesse geworden. Sie zeigt uns gnadenlos, wie schwer es ist, Maß zu halten, wenn man Zugriff auf 16 Millionen Farben hat.

Die smarte Lampe ist gekommen, um zu bleiben. Sie wird weitere Räume illuminieren, auf Zuruf reagieren und Updates installieren, während wir schlafen. Das ist Fortschritt, zweifellos. Aber vielleicht wäre es an der Zeit, ihr eine Grenze zu setzen. Nicht technisch. Sondern geschmacklich.

Sonst sitzt die Menschheit bald im neonpinken Grauen und fragt sich, wann genau aus der Erleuchtung eine Erleuchtungsstörung wurde.

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Zur kolumne

In den „Wohn(t)räumen“ befasst sich Thomas Schroeter regelmäßig auf sehr persönliche Art mit dem Wohnen. Da kann es um neue Trends gehen, um Wohnphilosophien, um Bauärger oder Küchendeko. Einfach um alles, was das Wohnen im Alltag ausmacht.

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