Badezimmer Als Bahama-Beige und Reseda-Grün die Republik in die Wanne zwangen

Ein Badezimmer aus den 70er- oder 80er-Jahren in kräftigen Grün- und Beige-Tönen.
In den 70er- und 80er-Jahren kam kräftig Farbe in deutsche Bäder. © Mampe
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Es gab eine Zeit, da betrat man ein Badezimmer und wusste sofort: Hier wird nicht nur geduscht, hier wird Geschichte konserviert. Eine Zeit, in der Farben nicht einfach Farben waren, sondern Bekenntnisse. Bahama-Beige und Reseda-Grün – schon die Namen klangen wie ein Versprechen auf Fernweh und Naturverbundenheit. Und doch fand dieses Versprechen seinen Ausdruck ausgerechnet zwischen WC, Waschbecken und Wanne.

Bahama-Beige, dieses warme, leicht ins Gelbliche driftende Irgendwas, sollte vermutlich an karibische Strände erinnern. Tatsächlich erinnerte es eher an Sand, den man nach einem langen Urlaub nicht mehr ganz aus dem Koffer bekommt. Reseda-Grün hingegen – ein Ton irgendwo zwischen verwelktem Salatblatt und ambitionierter Hoffnung – brachte die Natur ins Bad, allerdings ohne die frische Brise, die man sich dazu gewünscht hätte.

Ära der Komplettlösungen

Gemeinsam bildeten diese beiden Farbtöne eine Allianz, die so unerschütterlich war wie die Einbauküche der Eltern. Fliesen, Waschbecken, Badewannen, selbst die Seifenschale: alles abgestimmt, alles durchkomponiert, alles – nun ja – sehr präsent. Es war die Ära der Komplettlösungen, in der Individualität ungefähr so viel Platz hatte wie ein zusätzlicher Zahnputzbecher auf dem ohnehin perfekt arrangierten Waschbeckenrand.

Man darf nicht vergessen: Diese Badezimmer waren einmal modern. Kühn sogar. Während die Nachkriegszeit noch in nüchternem Weiß dachte oder in zarten Pastelltönen, kam plötzlich kräftige Farbe ins Spiel – und blieb. Und blieb. Und blieb. Jahrzehnte später standen Generationen von Erben vor genau diesen Räumen und fragten sich, ob man ein Waschbecken eigentlich emotional ablösen kann.

Eingebrannte Farben

Denn das Problem an Bahama-Beige und Reseda-Grün ist nicht nur ihr Farbton, sondern ihre Beharrlichkeit. Sie sind nicht einfach da – sie bestehen darauf, da zu bleiben. Sie trotzen Renovierungsplänen, Budgetgrenzen und gelegentlichen Anflügen von Mut. Wer einmal versucht hat, solche Fliesen zu entfernen, weiß: Diese Farben haben sich nicht nur ins Auge, sondern auch in den Estrich eingebrannt.

Und doch – bei aller Ironie – haftet ihnen etwas Rührendes an. Sie erzählen von einer Zeit, in der man erstmals daran dachte, dass ein Badezimmer mehr sein kann als ein funktionaler Ort. Dass selbst der morgendliche Blick in den Spiegel von einem Hauch Exotik begleitet werden sollte. Vielleicht war es genau diese Mischung aus Pragmatismus und Sehnsucht, die Bahama-Beige und Reseda-Grün so unwiderstehlich machte.

Ausdruck der Zeit

Heute dominieren Grau, Weiß und „Greige“ die Badezimmerkataloge. Alles ist reduziert, minimalistisch, beinahe schüchtern. Nichts soll stören, nichts soll sich aufdrängen. Und manchmal, ganz heimlich, sehnt man sich da fast zurück nach der Zeit, in der ein Badezimmer noch den Mut hatte, eine klare Meinung zu vertreten – auch wenn diese Meinung lautete: „Ich bin grün. Deal with it.“

Vielleicht ist das das eigentliche Vermächtnis von Bahama-Beige und Reseda-Grün: Sie erinnern uns daran, dass Wohnen immer auch ein Ausdruck seiner Zeit ist – mit all ihren Irrtümern, Hoffnungen und eigenwilligen Geschmäckern. Und dass wir eines Tages vielleicht ähnlich auf unsere heutigen Badezimmer blicken werden, mit einem leisen Lächeln und der Frage: Was haben wir uns dabei eigentlich gedacht?

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Zur kolumne

In den „Wohn(t)räumen“ befasst sich Thomas Schroeter regelmäßig auf sehr persönliche Art mit dem Wohnen. Da kann es um neue Trends gehen, um Wohnphilosophien, um Bauärger oder Küchendeko. Einfach um alles, was das Wohnen im Alltag ausmacht.

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