Lisa Straubes Kind stirbt plötzlich mit vier Monaten „Sein Herz ist einfach stehen geblieben“

Lisa Straube mit einem Bilderrahmen mit einem Foto ihres Sohns Xavi und Hand- sowie Fußabdruck von ihm.
Lisa Straube muss den Tod ihres Sohns Xavi verarbeiten. Das Baby starb mit vier Monaten am plötzlichen Kindstod. © privat
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Darum geht‘s:

  • Lisa Straube und ihr Mann Furkan Akkaya verlieren ihren vier Monate alten Sohn am plötzlichen Kindstod.
  • Ihr älterer Sohn Emilio spendet Trost und gibt Kraft zum Weiterleben.
  • Die Familie kämpft mit Trauer, Hasskommentaren und sucht Wege, weiterzumachen.

Als Lisa Straube weinend auf dem Boden liegt, die Hände vors Gesicht geschlagen, kommt Emilio zu ihr. 17 Monate ist ihr Sohn da erst alt, aber er sieht und spürt: Mama ist sehr traurig. „Er hat meine Hände aus meinem Gesicht genommen und mich geküsst. Immer wieder.“ Mitten im größten Schmerz, den die 25-Jährige je ertragen musste, gibt ihr Sohn ihr Halt, holt sie für einen kurzen Moment heraus aus dem grausamen Gefühl völliger Fassungslosigkeit, dem nicht aushaltbaren Schmerz, der alles überlagert.

„Emilio hat mein Leben gerettet“, sagt die Influencerin aus Dortmund beim Gespräch Mitte April.

Neun Wochen sind da vergangen, nachdem sie weinend auf dem Boden ihres Wohnzimmers lag. Neun Wochen, nachdem an einem ganz normalen Montagmorgen das Leben der Familie zusammenbricht. Neun Wochen, nachdem Emilios kleiner Bruder Xavi gestorben ist.

Plötzlicher Kindstod – Lisa und ihr Mann Furkan „Akka“ Akkaya müssen die Horrorvorstellung aller Säuglingseltern erleben.

„In dem Moment wurde alles schwarz“

Rückblick: Wie immer kümmert sich Lisa an diesem Montag Anfang Februar um ihren älteren Sohn Emilio. Akka geht nach oben, um Xavi, das vier Monate alte Nesthäkchen, aus dem Bett zu holen. Als Akka herunterkommt, ist nichts mehr, wie es war: „Ich habe mich noch gewundert, warum er Xavi nicht auf dem Arm hat.“

Dann fällt der Satz, bei dem sich der Verstand weigert, ihn anzunehmen. „Akka hat nur gesagt: ,Xavi ist tot. Xavi ist tot.` In dem Moment wurde alles schwarz.“

Alles, was danach passiert, erlebt Lisa „wie in einem Film, als wäre es nicht mein Leben, sondern als hätte ich mir das angeschaut.“

Sie stürzt die Treppe nach oben, am Babybett angekommen, reicht ein Blick: „Ich wusste sofort, dass er tot ist.“

Ein Schwarz-weiß-Foto von Xavi. Der kleine Junge liegt auf dem Bauch und hält seinen Kopf schon alleine oben.
Xavi wurde nur vier Monate alt. Der kleine Junge starb Anfang Februar im Schlaf am Plötzlichen Kindstod.© Straube

Sie nimmt ihr Baby in den Arm, ruft den Rettungsdienst. Akka versucht auf Anweisung der Leitstelle noch, seinen Sohn wiederzubeleben. Lisa hält das kaum aus: „Ich habe Akka angeschrien, er soll aufhören, weil er Xavi wehtut – und es nichts bringt, weil er tot ist.“

Lisa hält inne. Es ist eine der Szenen, die den unfassbaren Schmerz zeigen, in dem Herz und Verstand nicht in Einklang zu bringen sind, weil die Realität zu grausam ist. In der Therapie arbeitet sie daran, die Szenen dieses Tages zu vergessen. „Ich kann da nicht richtig ins Detail gehen, weil sonst alles wieder hochkommt.“

Das Eintreffen von Rettungsdienst und Polizei, die Bestätigung, dass ihr jüngerer Sohn nicht mehr lebt – daran zu denken, bleibt weiter surreal, beschreibt Lisa. Und es erklärt, warum sie im Gespräch fast durchgehend die Fassung wahren kann. Das Gefühl, einen Film zu sehen, ist noch immer dominierend, wenn sie über ihren Verlust spricht.

Zumal die Frage nach dem Warum für immer bleiben wird. Plötzlicher Kindstod lautet die Diagnose, die eigentlich keine ist: Mediziner sprechen davon, wenn keine eindeutige Todesursache gefunden wird. So ist es auch bei Xavi, erklärt Lisa. Die Obduktion habe keine Auffälligkeiten ergeben. „Sein Herz ist einfach stehen geblieben.“

„War immer meine größte Angst“

Wie für die allermeisten Säuglingseltern war der plötzliche Kindstod ab der Geburt ihrer Kinder auch für Lisa und Akka ein belastendes Thema: „Das war immer meine größte Angst.“ Daher achtet das Paar auf eine sichere Schlafumgebung für ihre Kinder. Trotzdem sind die Schuldgefühle da: „Was, wenn ich irgendwas übersehen habe? Was, wenn ich irgendwas falsch gemacht habe?“

Ärzte versuchen, dem Paar diese Last zu nehmen: „Sie haben uns nach der Obduktion gesagt, dass wir nichts falsch gemacht haben, wir ihn nicht zu eng eingepackt haben, keine 1000 Sachen im Bettchen lagen. Sein Herz ist stehen geblieben, und nichts auf der Welt hätte ihn retten können.“

Die Frage nach dem Warum wird unbeantwortet bleiben – für den Rest ihres Lebens. Wie soll man damit weiterleben? Mit dem schlimmsten Verlust, den Eltern erleben können? „Eigentlich ist dir alles egal, weil du ja schon alles verloren hast. Wir haben die ersten Tage nicht getrunken, nicht gegessen.“

Nach dem ersten Schock setzt die Angst vor der Beisetzung ein. „Es hört sich vielleicht blöd an, aber vor dem Tag wollten wir gar nicht versuchen, dass es uns besser geht, weil wir wussten: Der Tag wird alles wieder aufreißen.“

Auf einer Anrichte stehen Blumen in einer pinken Vase. Daneben ein dreiteiliger Bilderrahmen mit einem Foto von Xavi und seinem Hand- und Fußabdruck. Davor stehen einige kleine Hasen-Figuren.
In ihrem Zuhause in Dortmund haben Lisa Straube und Furkan „Akka“ Akkaya auf einem Schränkchen Erinnerungsstücke an Xavi aufgestellt.© Lisa Straube

Der Moment, an dem der kleine Sarg heruntergelassen wird, ist unerträglich, beschreibt Lisa: „Weil man weiß, da liegt mein Baby drin. Da realisiert man es.“ Aber die Trauerfeier, die das Paar bewusst bunt und fröhlich gestaltet, hat auch etwas Tröstliches. „Wir hatten überall bunte Luftballons, Blumen, Kuscheltiere. Und ein Bild von Xavi, auf dem er lacht. Das hat uns geholfen, weil einen da nicht sofort nur Trauer angesprungen hat.“ Am Ende lassen alle Gäste bunte Luftballons mit Nachrichten an Xavi in den Himmel steigen.

Danach geht Lisa sofort: „Ich wollte in dem Moment nicht von Leuten umarmt werden.“

Der Mensch, der Lisa und Akka in dieser Zeit daran hindert, sich in der Trauer zu verlieren, ist Emilio. „Hätten wir ihn nicht, dann würden wir nur in der Ecke sitzen und hier vergammeln, glaube ich.“ Aber für ihren 17 Monate alten Sohn schafft es das Paar trotz des riesigen Verlustes, schnell zumindest einen oberflächlichen Alltag aufrechtzuerhalten. „Wir mussten einkaufen gehen, wir mussten kochen für Emilio. Wir mussten Windeln wechseln und mit ihm spielen.“

Mit 17 Monaten versteht Emilio noch nicht, was seinem Bruder geschehen ist. „Aber er versteht, es ist hier ruhiger als sonst. Er sieht die Bilder, er küsst die Bilder. Er weiß, das ist Xavi, und der ist gerade einfach nicht da.“

„Xavi ist ein Stück weit noch hier“

Mittlerweile macht die Familie wieder Ausflüge, plant bewusst Aktivitäten zur Ablenkung – und um zeitweise rauszukommen aus ihrem Haus in Dortmund, in dem so viel an den Verlust erinnert. „Viele haben gesagt, dass wir ausziehen sollen, woanders hingehen sollen. Aber nein, das ist unser Zuhause, das ist Emilios Zuhause und es war Xavis Zuhause. Deswegen will ich hier nicht weg, weil Xavi ein Stück weit noch hier ist. Anderswo würde ich mich weiter entfernt von ihm fühlen.“

Auf einer Anrichte haben Lisa und Akka eine kleine Erinnerungsecke für ihren Sohn aufgebaut. Fotos und kleine Deko-Hasen stehen dort. „Xavi war unser kleiner Hase“, sagt Lisa und hält eine kleine Schneekugel mit einem Hasen in der Hand.

Trotzdem plant das Paar Veränderungen, um einige Erinnerungen zumindest abzumindern. Die Treppe nach oben soll sich optisch verändern, weil sich Lisa hier immer wieder an den Moment erinnert, als sie sich im Schockzustand zum letzten Mal auf den Weg zu Xavis Babybett gemacht hat. Das Kinderzimmer, das Xavis werden sollte, wird komplett neu eingerichtet. „Wahrscheinlich machen wir ein ganz buntes Spielzimmer daraus, damit es schöne Erinnerungen bekommt und nicht für immer das leere Zimmer bleibt.“

Furkan Akkaya und Lisa Straube Hand in Hand, im Hintergrund sieht man Meer.
Furkan „Akka“ Akkaya und Lisa Straube haben als Paar am Reality-TV-Format „Temptation Island“ teilgenommen.© Instagram lisa.straube

Kleine Veränderungen, die im Trauerprozess helfen sollen. Ein Trauerprozess, den Lisa und Akka gemeinsam durchschreiten – obwohl sie sehr unterschiedlich trauern: „Akka geht jeden Tag zum Grab zu Xavi. Jeden Tag macht er dort alles fertig. Meine Mama auch. Ich kann das nicht. Ich war vielleicht vier Mal am Grab im letzten Monat. Mir tut das einfach noch nicht gut, es reißt alles wieder auf, bringt das Trauma wieder hoch.“

Unterschiedlich ist auch der öffentliche Umgang mit dem Tod ihres Sohnes. Eigentlich wollen Lisa und Akka das Interview, das Grundlage für diesen Text ist, gemeinsam führen. Dann sitzt doch nur Lisa für den Video-Call auf der Couch im Wohnzimmer. „Akka geht es dafür heute zu schlecht.“

Während ihrem Mann das Reden über das Erlebte eher schwerfällt und nicht immer guttut, geht Lisa einen anderen Weg: „Ich bin da offener.“ Das Leben in der Öffentlichkeit gehört fest zu ihrem Leben. 330.000 Follower hat die Influencerin, die gemeinsam mit ihrem Mann auch schon an Reality-TV-Formaten teilgenommen hat, auf der Social-Media-Plattform Instagram. „Für mich ist Instagram eine Art Tagebuch.“ Aber es sei auch „Teil unseres Jobs, wir teilen unser Leben mit der Community. Und dann gehören auch negative Dinge dazu.“

Also spricht Lisa auch auf Instagram über Xavis Tod – ein erstes Statement veröffentlicht das Paar noch am Todestag. Aber der schnelle Weg an die Öffentlichkeit hat noch einen anderen Antrieb: Kontrolle behalten.

„Wir haben schon die Erfahrung gemacht, dass der Presse nichts entgeht, zumal viele Leute den Einsatz der Rettungskräfte bei uns mitbekommen haben. Wir wollten es selbst öffentlich machen, bevor irgendwelche Dinge falsch erzählt werden. Und wir wollten die Zügel in der Hand behalten, damit niemand anderes die Macht darüber hat, wann und wie es geteilt wird.“

Der allergrößte Teil der Kommentare ist mitfühlend, es gibt Beileidsbekundungen und auch private Nachrichten von anderen Betroffenen. Eine Followerin kauft einen Stern, der nun Xavi heißt. Die Urkunde dazu steht in der Erinnerungsecke, die Lisa und Akka in ihrem Zuhause eingerichtet haben.

„Wir wollen, dass die bestraft werden“

Doch trotz des überwältigenden Zuspruchs gibt es auch einige Kommentare, die an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten sind.

„Die trauert doch nur dem Kindergeld hinterher.“

„Gott sei Dank ist das Pissblag tot.“

Lisa und Akka sind Medien-Profis. „Ich dachte, mich kann nichts mehr überraschen, was mit Social Media zu tun hat. Da hat es mich aber wirklich, obwohl ich das seit Jahren mache, von den Socken gehauen.“

Das Paar erstattet Anzeigen. „Wir wollen, dass diese Leute bestraft werden“, sagt Lisa vehement. „Und wenn es 20 Jahre dauert, ich will diesen Leuten vor Gericht in die Augen gucken.“

Die Hasskommentare haben das Paar emotional tief getroffen – aber sie haben es auch sehr wütend gemacht, Kampfgeist geweckt. „Ich bin da jetzt wie eine Löwenmama. Es geht da auch um die Würde meines Babys, das ich noch so gerne bei mir hätte.“

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Seit einigen Wochen ist Xavi tot. Richtig begreifen kann Lisa das nicht. So wirkt zumindest der Blick, der im Gespräch manchmal ins Leere driftet, so wirken die kurzen Pausen, die entstehen, weil das Gesagte unfassbar bleibt.

„Es wird besser. Sehr langsam, aber es wird besser. Es wird immer Tage geben, wo man in einem ganz tiefen Loch ist, aber es wird besser.“

Was ihr dabei hilft, ist die Rolle, in der sich die 25-Jährige sieht: eine Löwenmama zu sein. Im Kampf für ihren gestorbenen Sohn. Und im Alltag für ihren verbliebenen Sohn.

Ihren Lebensretter. Der seine Mutter küsste, als sie im größten Schmerz am Boden lag. Und der heute die Fotos seines kleinen Bruders küsst.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien ursprünglich am 14. April 2026.

Zum Thema

Plötzlicher Kindstod

80 bis 100 Babys sterben nach Angaben des Deutschen Ärzteblatts jährlich in Deutschland am plötzlichen Kindstod. In den 90er-Jahren waren es noch über 1000 Fälle jährlich.

Die meisten Todesfälle ereignen sich zwischen dem 2. und 5. Lebensmonat, ab etwa 10 Monaten sinkt das Risiko auf wenige Einzelfälle.

Durch Aufklärung über die richtige Schlafumgebung für Babys sind die Fälle deutlich weniger geworden.

Die wichtigste Regel, um das Risiko des plötzlichen Kindstods zu senken, ist das Schlafen auf dem Rücken, so das Ärzteblatt. Die Bauchlage gilt bei schlafenden Babys als großer Risikofaktor.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin nennt mehrere weitere Ursachen und Risikofaktoren: Neben der Bauchlage zu hohe Raumtemperatur, Zigarettenrauch und Bettdecken, Kissen, Kuscheltiere oder andere Dinge, die Nase und Mund bedecken könnten. Gestillte Kinder und Schnullerkinder sind den Angaben nach seltener vom plötzlichen Kindstod betroffen, ebenso Kinder, die alle Regelimpfungen erhalten haben.

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