Immer mehr Menschen können sich einen Platz im Pflegeheim nicht mehr leisten. In Bottrop und Kirchhellenzeigt sich diese Entwicklung deutlich: Rund 80 bis 90 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner in stationären Einrichtungen sind inzwischen auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Bei monatlichen Eigenanteilen von etwa 3.500 Euro wird Pflege für viele zur existenziellen Frage.
Aktuell stehen in Bottrop 1.440 Pflegeplätze in Heimen und Demenz-Wohngruppen zur Verfügung. Doch die stark gestiegenen Kosten führen dazu, dass immer mehr Menschen einen Antrag auf „Hilfe zur Pflege“ stellen. Innerhalb von nur vier Jahren hat sich die Zahl der Anträge verdoppelt. „Nur ein kleiner Teil kann sich das dauerhaft aus eigener finanzieller Kraft leisten“, erläutert Sozialdezernentin Karen Alexius-Eifert in der Pressemitteilung.
Ursachen für steigende Kosten
Die Gründe für die steigenden Kosten liegen unter anderem in höheren Personal- und Betriebskosten sowie strengeren gesetzlichen Anforderungen. Gleichzeitig nimmt durch den demografischen Wandel die Zahl pflegebedürftiger Menschen zu, häufig mit komplexerem Bedarf. Zunehmend sind auch Menschen betroffen, die zuvor keine Sozialleistungen bezogen haben.
Das hat Folgen für die Verwaltung, die nun ausführlich informiert. Die Prüfung der Anträge ist deutlich komplexer geworden, da Einkommens- und Vermögensverhältnisse umfassend betrachtet werden müssen, bis zu zehn Jahre rückwirkend. „Wir bewilligen eine Sozialleistung und dementsprechend müssen wir auch prüfen“, so Sozialamtsleiter Sascha Borowiak.

Bearbeitungszeit verkürzen
Häufig verzögert sich die Bearbeitung zusätzlich, weil Unterlagen unvollständig oder verspätet eingereicht werden. Im Idealfall dauert die Bearbeitung etwa vier Monate, oft jedoch sechs Monate oder länger. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Pflegeheimen auf rund 25 Monate verkürzt hat. Dadurch werden Plätze schneller neu vergeben und entsprechend häufiger neue Anträge gestellt.
Um gegenzusteuern, hat die Stadt verschiedene Maßnahmen ergriffen. Mitarbeitende aus anderen Bereichen unterstützen zeitweise bei der Bearbeitung, Aufgaben wurden neu organisiert und zusätzliche Kräfte wie Praktikanten und Auszubildende eingesetzt.
Ziel ist es, die Verfahren zu beschleunigen und Rückstände zu vermeiden. Besonders dringende Fälle werden priorisiert, um Kündigungen von Heimplätzen zu verhindern.
Mit Blick in die Zukunft plant die Stadt zwei neue Pflegeheime, in Kirchhellen und Boy. Und mit jedem zusätzlichen Heimplatz steigt auch die Zahl der Menschen, die sich Pflege ohne Unterstützung nicht mehr leisten können. Die Ausgaben für die Hilfe zur Pflege belaufen sich inzwischen auf rund 7,5 Millionen Euro jährlich. „Es ist eine sehr bis fast ganz kommunale finanzielle Leistung“, erklärt Karen Alexius-Eifert.