Darum geht‘s:
- Heiner Wilmer wird neuer Bischof von Münster und Nachfolger Felix Genns.
- Er betont Nähe zu Menschen, Missbrauchsaufarbeitung und radikale Menschenfreundlichkeit.
- Die Amtseinführung ist für den 28. Juni 2026 geplant.
Das Bistum Münster hat einen neuen Bischof: Heiner Wilmer ist am Donnerstagmittag im St.-Paulus-Dom als künftiger Leiter der Diözese vorgestellt worden. Die Bischöfliche Pressestelle hatte die Bekanntgabe am Mittwoch angekündigt und von einer „für das Bistum Münster wichtigen Personalentscheidung“ gesprochen. Die Bekanntgabe wurde live im Internet übertragen.
Mit der Ernennung endet eine Vakanz von knapp 13 Monaten. Papst Franziskus hatte den Rücktritt des bisherigen Bischofs Felix Genn zum 9. März 2025 angenommen. Genn hatte sein Rücktrittsgesuch entsprechend der kirchenrechtlichen Altersgrenze zu seinem 75. Geburtstag eingereicht.
Wilmer gilt als dialogorientierter Reformer
Wilmer, der am 9. April 65 Jahre alt wird, war seit 2018 Bischof von Hildesheim und zählt zu den profiliertesten Stimmen innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz. Der Ordensmann aus der Gemeinschaft der Herz-Jesu-Priester war zuvor international tätig, unter anderem als Generaloberer seines Ordens, und bringt damit eine globale Perspektive in die deutsche Kirchenleitung ein.
Er gilt als dialogorientierter Reformer, der sich aktiv an Debatten über die Zukunft der Kirche beteiligt. Innerhalb der Bischofskonferenz wird er als vermittelnd zwischen unterschiedlichen kirchenpolitischen Lagern beschrieben. Diese Fähigkeit hatte ihn bereits im Vorfeld für größere Bistümer als möglichen Kandidaten interessant gemacht.
Seit 2026 steht Wilmer zudem an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz. Seine Wahl nach Münster gilt daher auch als kirchenpolitisch bedeutsames Signal.

Heiner Wilmer hat bei seiner Amtseinführung als neuer Bischof von Münster einen klaren Schwerpunkt gesetzt: Die Kirche müsse näher bei den Menschen sein und stärker zuhören. „Vielleicht ist das der Weg der Kirche heute: aufsuchen, zuhören, verstehen und dann gemeinsam vorangehen“, sagte er im St.-Paulus-Dom.
Wilmer beschrieb seine neue Aufgabe mit Respekt und Vertrauen. Er komme „mit großem Respekt vor den Menschen, vor der Aufgabe“ ins Bistum und zugleich „mit einem großen Vertrauen“. Zugleich zeigte er sich dankbar für das Vertrauen des Domkapitels, des Papstes und vieler Gläubiger.
Bekenntnis zur Missbrauchsaufarbeitung
Inhaltlich stellte Wilmer drei Leitlinien in den Mittelpunkt, die er am Vorbild des heiligen Liudger festmachte: Geduld, Beziehung und Bildung. Glaube wachse nicht schnell, sondern „langsam, aber tief“. Menschen würden nicht überzeugt, sondern „durch Nähe, durch Vertrauen, durch Interesse“ gewonnen.
Ein zentrales Thema seiner Rede war der Umgang mit Missständen in der Kirche. Mit Blick auf Fälle sexualisierter Gewalt machte Wilmer deutlich: „Das alles darf es nie wieder geben.“ Er kündigte an, sich „mit aller mir zur Verfügung stehenden Kraft“ für sichere Strukturen einzusetzen.
Zugleich warb der neue Bischof für eine offene und menschenfreundliche Kirche. Orientierung sei für ihn eine „radikale Menschenfreundlichkeit“, die Ausgrenzung und Feindbilder überwindet. „Die Liebe darf keine Grenzen kennen“, sagte Wilmer.
Amtseinführung Wilmers als neuer Bischofs Münster am 21. Juni 2026
Persönlich zeigte sich Wilmer bewegt vom Wechsel aus dem Bistum Hildesheim nach Münster. Der Abschied falle ihm nicht leicht. Gleichzeitig blicke er zuversichtlich auf seine neue Aufgabe. Er sei überzeugt, im Bistum Münster Menschen zu finden, „die mit mir gehen, die mich tragen“.
Mit seiner Ernennung wird Wilmer der 76. Nachfolger des heiligen Liudger, des ersten Bischofs von Münster. Dass seine Berufung am Hochfest dieses Bistumsgründers bekannt gegeben wurde, verleiht der Entscheidung zusätzliche symbolische Bedeutung.
Die Amtseinführung steht noch aus. Bis dahin bleibt Diözesanadministrator Antonius Hamers im Amt.
Update 28.3.2026
Die Amtseinführung hat das Bistum am Samstag (23.3.) auf Sonntag, 21. Juni, um 14 Uhr vorgezogen. Ursprünglich war der Termin für den 28. Juni genannt worden. Die Feier findet im St.-Paulus-Dom in Münster statt. Gründe für die Verschiebung sind laut Bistum terminlicher Natur.
Dieser Artikel wurde zuletzt am 28.3.2026 um 12.50 Uhr aktualisiert.