Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr stellt seinen Tarif erneut um. Zum 1. Juni 2026 tritt die zweite Stufe der großen VRR-Tarifreform in Kraft. Nach Angaben des Verbunds sollen die Regeln einfacher, die Tarifgebiete übersichtlicher und die Preisstufen verständlicher werden. Für Fahrgäste bedeutet das: Die bisherige Wabenstruktur verschwindet, der 2-Waben-Tarif wird abgeschafft, und in mehreren Großstädten gilt künftig das Prinzip „eine Stadt – ein Tarifgebiet“. Wer etwa in Dortmund oder Düsseldorf unterwegs ist, zahlt nur in einem Tarif.
Betroffen sind vor allem Kundinnen und Kunden, die bislang Einzeltickets, Mehrfahrtentickets oder andere klassische Tickets für kurze Strecken genutzt haben. Wer ein DeutschlandTicket besitzt, dürfte von der Umstellung im Alltag kaum etwas merken. Der VRR verweist darauf, dass Vielfahrerinnen und Vielfahrer inzwischen verstärkt das DeutschlandTicket nutzen. Gelegenheitsfahrer sollen nach Vorstellung des Verbunds stärker auf den digitalen Tarif eezy.nrw ausweichen.
Nur noch drei Preisstufen im VRR
Kern der Reform ist eine neue, vereinfachte Preislogik. Ab dem 1. Juni 2026 gelten im VRR nur noch drei Preisstufen: A, B und C. Die Preisstufe A gilt für Fahrten innerhalb eines Tarifgebiets. Die Preisstufe B gilt, wenn Fahrgäste in ein benachbartes Tarifgebiet fahren. Die Preisstufe C deckt Fahrten im gesamten VRR-Verbundraum ab. Damit sollen bisherige Sonderregeln wegfallen. Der VRR spricht von mehr Transparenz und einer leichter verständlichen Ticketwahl.
Besonders deutlich wird die Reform in fünf großen Städten: Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen und Wuppertal. Dort waren die Stadtgebiete bislang tariflich geteilt. Künftig werden diese Teilgebiete jeweils zu einem einzigen Tarifgebiet zusammengeführt. Innerhalb dieser Städte müssen Fahrgäste sich also nicht mehr mit innerstädtischen Tarifgrenzen beschäftigen.
Was für Fahrgäste einfacher wird
Günstiger werden können vor allem Verbindungen, die durch die neuen Gebietszuschnitte künftig in eine niedrigere Preisstufe fallen oder innerhalb eines größeren Tarifgebiets liegen. Das betrifft zunächst Fahrten innerhalb der fünf bislang geteilten Großstädte, denn die jeweilige Stadt zählt dann als ein Tarifgebiet.
Auch am Niederrhein und im nordöstlichen Ruhrgebiet können Fahrgäste profitieren. Der VRR spricht dort von neuen Zuschnitten, die stärker an Alltagswegen ausgerichtet seien. Wenn dadurch typische Fahrbeziehungen künftig innerhalb eines Tarifgebiets oder zwischen klar benachbarten Tarifgebieten liegen, kann das Preis-Leistungs-Verhältnis für Kundinnen und Kunden besser werden.
Für Gelegenheitsfahrer verweist der VRR außerdem auf eezy.nrw. Dabei checken Fahrgäste vor der Fahrt digital ein und nach der Fahrt wieder aus. Bezahlt wird nach der tatsächlich gefahrenen Strecke beziehungsweise nach dem digitalen Tarifmodell.
Welche Verbindungen nach der neuen Tarifreform teurer werden können
Teurer werden kann es für Fahrgäste, die bisher den 2-Waben-Tarif genutzt haben. Dieser Tarif wird nach 45 Jahren abgeschafft. Wer bisher mit einem 2-Waben-Ticket kurze Fahrten über eine bisherige Wabengrenze hinweg besonders günstig zurücklegen konnte, muss künftig auf die neuen Preisstufen A, B oder C ausweichen – oder auf eezy.nrw.
Konkret bedeutet das etwa für folgende Strecken: Fahrten vom Hauptbahnhof in Recklinghausen zum Bahnhof Sinsen in Marl oder zum Berliner Platz in Oer-Erkenschwick kosten ab Juni 7,80 Euro statt wie bisher 3,80 Euro. Ebenfalls um vier Euro pro Fahrt steigen künftig die Kosten für die Strecken Hullerner Straße (Haltern am See) bis Sinsen Bahnhof (Marl), Herten Mitte bis Gelsenkirchen-Buer Rathaus, Waltrop bis Mengede Bahnhof (Dortmund) oder Datteln Bahnhof bis Henrichenburg Mitte (Castrop-Rauxel). Die Angaben gelten selbstverständlich auch für Fahrten in die Gegenrichtung.
Nach Darstellung des Verbunds betrifft die Abschaffung des 2-Waben-Tarifs allerdings nur eine kleine Gruppe. Weniger als ein Prozent der heutigen Kundinnen und Kunden hätten diesen Tarif zuletzt genutzt. Für diese Fahrgäste kann die Reform dennoch spürbar sein, wenn ihre gewohnte Verbindung nicht mehr zum alten Tarifpreis erhältlich ist.
Warum der VRR die Reform umsetzt
Der VRR stellt die Reform als Schritt zu einem einfacheren und moderneren Nahverkehrstarif dar. Bereits zum 1. März 2025 hatte der Verbund nach eigenen Angaben sein Ticketsortiment um 75 Prozent reduziert. Seitdem stehen vor allem das DeutschlandTicket und eezy.nrw im Mittelpunkt des Tarifangebots.

Nach Angaben des VRR nutzen Vielfahrerinnen und Vielfahrer zunehmend das DeutschlandTicket. Menschen, die nur gelegentlich mit Bus und Bahn fahren, greifen demnach häufiger zu eezy.nrw. Der Gesamtabsatz dieses digitalen Angebots sei 2025 gegenüber 2024 um mehr als 100 Prozent gestiegen. Der VRR sieht darin einen Hinweis darauf, dass sich der Ticketkauf immer stärker in Richtung digitaler Angebote verschiebt.
Gleichzeitig will der Verbund nach eigener Darstellung den Beratungsaufwand senken. Weniger Tarifvarianten und klarere Grenzen sollen dazu führen, dass Fahrgäste schneller erkennen, welches Ticket sie benötigen. Das soll nicht nur Stammkundinnen und Stammkunden helfen, sondern besonders Menschen, die Bus und Bahn nur ab und zu nutzen.
Was Fahrgäste jetzt prüfen sollten
Für Inhaberinnen und Inhaber eines DeutschlandTickets ändert sich durch die neuen VRR-Preisstufen im normalen Alltag voraussichtlich wenig. Das Ticket gilt weiterhin unabhängig von den einzelnen VRR-Preisstufen im Nahverkehr.
Wer dagegen klassische Einzelfahrten nutzt, sollte ab Juni genauer hinsehen. Entscheidend ist dann nicht mehr die alte Wabenstruktur, sondern die Frage, ob die Fahrt innerhalb eines Tarifgebiets, in ein Nachbargebiet oder durch den gesamten VRR führt.
Besonders prüfen sollten das Fahrgäste, die bisher regelmäßig den 2-Waben-Tarif genutzt haben. Für sie entfällt das bekannte Angebot. Ob künftig ein klassisches Ticket teurer wird oder eezy.nrw günstiger ist, hängt von der konkreten Strecke ab.
Die Reform bringt also nicht für alle automatisch niedrigere Preise. Sie macht das Tarifsystem nach Darstellung des VRR vor allem einfacher. Günstiger werden können Fahrten in neu zugeschnittenen oder zusammengelegten Tarifgebieten. Teurer werden kann es dort, wo Kundinnen und Kunden bisher vom alten 2-Waben-Tarif profitiert haben.
fül